Nach dem Auspacken eines CGM-Systems, einer Patch-Pumpe oder eines Insulininfusionssets hat Mann oder Frau endlich das eigentliche Produkt in der Hand, aber gleichzeitig auch einen beachtlichen Haufen Müll vor sich auf dem Tisch. Das Volumen des Produktes macht in der Regel nur geschätzte 10% der Verpackung aus, die dann gesammelt in den Müll wandert. Muss dieser Verpackungsaufwand eigentlich so groß sein oder geht dies nicht auch anders?

Beim Einkauf von Lebensmitteln verwenden wir heute selbstverständlich wiederverwertbare Taschen, bringen bereits benutzte Plastikschälchen wieder zurück und lassen uns Wurst und Käse direkt in die Tupper-Schüsseln packen. Als in den 1990er Jahren der erste Fertigpen von Novo Nordisk auf den Markt gebracht wurde, startete man als Resultat auf die aufbrausende Müll-Diskussion eine Rücksendeaktion – die Pens sollten angeblich für die Produktion von Parkbänken recycelt werden. Heute werden Pens in riesigen Stückzahlen produziert, genutzt und entsorgt, das Thema Recyceln taucht zu unserer Kenntnis dabei nicht mehr auf!

Beim Setzen der Glucose-Sensoren von CGM-Systemen oder der Katheter von Insulininfusionssets werden vielfach „Inserter“ verwendet. Diese kleinen Meisterwerke der Ingenieurkunst erleichtern diese Prozedur nicht nur erheblich, sie reduzieren auch die damit verbundenen Schmerzen. Haben sie ihren Zweck erfüllt, wandern diverse Gramm Plastik (jeweils ca. 70-80 g bei marktüblichen CGM-Systemen) unmittelbar in den Müll. Da diese Produkte Millionenfach produziert werden, summiert sich dies allein zu einem beachtlichen Plastikmüllberg.

Selbstverständlich hilft der Einsatz von Kunststoffen dabei, Diabetes-Technologie-Produkte optisch ansprechend zu präsentieren. Außerdem schützen sie beim Transport und bei der Lagerung. Es gibt zudem Vorgaben dafür, wie solche Medizinprodukte verpackt werden müssen, unter anderem aus hygienischen Gründen. Trotzdem fragt man sich, was sind die Hürden für eine Reduktion beim Verpackungsaufwand, was geht hierbei anders?

Hinzu kommt, dass sowohl das Verpacken als auch das Recyceln des Mülls (und auch der eigentlichen Produkte!) ein – im wahrsten Sinne des Wortes – mehrschichtiges Thema ist: Kompliziert wird es durch die große Bandbreite der verwendeten Kunststoffe und anderer Materialien sowie der Art und Weise, wie diese miteinander hochkomplex kombiniert werden. Dies erschwert eine sortenreine Trennung massiv oder macht diese sogar unmöglich. Meist kommen für Verpackungen und Kunststoffgehäuse der Produkte Kunststoffe wie Polyethylen, Polypropylen, Polyethylenterephthalat, Polystyrol und Polyamid zum Einsatz. Was genau verwendet wird, ist oft Geschäftsgeheimnis.

Weiterhin werden die Kunststoffe vor der Verarbeitung vielfach mit Additiven versetzt. Das können Farben sein, aber auch Flammschutzmittel oder Verarbeitungshilfen. Die Entsorgung der Medizinprodukte selber wird dadurch verkompliziert, dass diese nicht nur aus Plastik bestehen, sondern aus elektronischen Bauteilen (inklusive Batterien!) und kontaminierten Kanülen, die auch noch eine Verletzungsgefahr bergen und möglicherweise noch Restinsulin enthalten.

Gibt es nicht längst neue „Kunststoffe“ aus biodegradierbaren Materialien, die sich für die Verpackung / die Produkte nutzen lassen, auch wenn diese teurer sind als die bisher verwendeten Kunststoffe? Wir sind ja auch bereit sind, bei Strohhalmen vom billigen Plastik auf deutliche teurere Halme aus Papier oder Metall umzusteigen, was geht also bei Medizinprodukten? Vielleicht mehr als wir denken oder besser gesagt, als wir wissen. Vermutlich ist es notwendig, sich schon beim Design und der Herstellung solcher Medizinprodukte mehr Gedanken zur Entsorgung zu machen.

Unser Fazit: Natürlich könnte man sagen, dies ist ein Thema der Hersteller. Allerdings äußern sich diese bisher öffentlich nicht zu diesem Thema! Wir wissen, dass dies ein Thema ist, welches Patienten ausgesprochen stört! Druck von dieser Seite hilft bestimmt, Veränderungen voranzutreiben. Wo und wann wollen wir denn mal darüber reden?

DiaTec weekly – Nov 15, 19

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