Die Spezialgebiete von Anne Peters sind Endokrinologie, Diabetes & Stoffwechsel und Innere Medizin und sie engagiert sich seit vielen Jahren in der amerikanische Diabetes-Gesellschaft (ADA). Als sehr patientenorientierte Diabetologin hat sie sich Gedanken zur CoVid-19 und dem Risiko für ihre Patienten gemacht, was vielleicht als Hinweise für Patienten genutzt werden kann. Hier geht es zu dem Interview und die deutsche Übersetzung ihrer Aussagen:

Ich erhalte viele Anrufe von meinen Diabetes-Patienten, die verständlicherweise über COVID-19 und ihr speziellen Risiken besorgt sind. Ich bin kein Spezialist für Infektionskrankheiten, deshalb werde ich nicht speziell über das Virus sprechen, obwohl ich mich bemühe, die Literatur zu verfolgen, um unseren Patienten zu helfen, eine Infektion zu vermeiden. Jede Nacht suche ich nach veröffentlichten Primärstudien und überprüfe dann die Empfehlungen des CDC (Anm.: Center of Disease Control and Prevention). Ich möchte verstehen, was die Patienten hören, und ich möchte die Empfehlungen befolgen, um meinen Patienten zu helfen, nicht krank zu werden.

Die Menschen hören häufig, dass Diabetes ein Risikofaktor mit den schlimmsten Folgen ist. Verständlicherweise macht dies Menschen mit Diabetes Angst. Was wissen wir über Infektionen bei Patienten mit Diabetes? Klare Antworten gibt es nicht!

Die Literatur ist eher widersprüchlich, und es gibt in diesem Bereich keine randomisierten kontrollierten Studien. Insgesamt deutet die Literatur darauf hin, dass Menschen mit Diabetes etwas häufiger infiziert werden als Menschen ohne Diabetes und dass die Ergebnisse vielfach schlechter ausfallen. Wir wissen auch, dass es durch diese Erkrankung schwieriger ist mit dem Diabetes umzugehen.

Die Krankheit selbst erhöht die Insulinresistenz, was zu einem Anstieg des Blutzuckerspiegels führt. Wenn ein Patient sich erbricht und nicht in der Lage ist, zu essen und Flüssigkeit zu sich zu nehmen, kann dies ebenfalls zu Problemen bei der Diabetesbehandlung führen.

Es gibt viele Fragen, auf die wir keine Antwort haben. Wir wissen nicht, ob es Unterschiede in Bezug auf die Infektionsraten zwischen Menschen mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes gibt oder ob Menschen mit einem HbA1c <7% besser oder schlechter abschneiden als Patienten mit einem HbA1c von 10%.

Nach dem, was wir über COVID-19 wissen, verschlechtert sich das Ergebnis, wenn man älter ist und Komorbiditäten wie Herz-Kreislauf- und Lungenerkrankungen hat. Was wir nicht wissen, ist das Risiko bei einem gesunden, jungen Menschen ohne Komorbiditäten, der einen gut kontrollierten Diabetes hat.

Wie kann man sich auf COVID-19 vorbereiten? Ich versuche, realistisch und tröstlich zu sein, wo ich kann, und den Menschen zu helfen, sich darauf vorzubereiten, mit ihrem Diabetes in Zeiten der Krankheit umzugehen. Jeder, der an Diabetes leidet, muss sich darauf vorbereiten. Zusätzlich zu dem, was wir alle über soziale Distanzierung, Händewaschen und all die Maßnahmen gehört haben, die jeder befolgen muss, müssen Menschen mit Diabetes sicher sein, dass sie ihre Medikamente in ausreichender Menge immer zur Verfügung stehen.

Dr. Anne Peters, MD, Los Angelos, California, US

Was aus Deutschland an Hinweisen zur aktuellen Lage kommt, was bei Diabetes zu beachten ist und welche Schutzmaßnahmen das Risiko einer Infizierung verhindern oder senken können, lesen Sie hier.

DiaTec weekly – Mrz 20, 20

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