Vermutlich werden alle drei großen Insulinhersteller (Novo, Lilly und Sanofi) bis Ende 2020 SmartPens für die Insulinapplikation im Angebot haben. Die Bereitstellung der Insulindosis-informationen, gepaart mit Glukose-Daten und einer passenden Titrationssoftware ist ein attraktiver Bereich für die Insulin-Hersteller und dabei vermutlich deutlich günstiger und weniger riskant als die Entwicklung eines neuen Insulins. Was können die SmartPens also und worin unterscheiden sie sich?

SmartPens sind InsulinPens, bei denen sowohl Insulinsort, Insulindosis als auch Zeitpunkt der Applikation entweder in die Cloud hochgeladen werden oder per Bluetooth auf ein SmartPhone und in eine App transferiert werden kann und damit für weitergehende Auswertungen zur Verfügung stehen. Die technologischen Ansätze sind dabei offenbar recht unterschiedlich, so arbeitet Novo Nordisk an einer Lösung mit Fertig-Pens, während Sanofi Kappen nutzen will, die auf die Pens aufgesteckt werden und Lilly mit einem externen Anbieter zusammenarbeitet, der Humalog® Insulinkartuschen verwenden kann.

Novo Nordisk hat für seine SmartPens Novo Pen 5 Plus bereits eine erste klinische Studie mit einem mit Near-Field-Communication (NFC)-Fähigkeiten in zehn schwedischen Kliniken durchgeführt. Weil die Datenübertragung Idealerweise mit Bluetooth erfolgt, weil damit ein kontinuierlicher, problemloser Daten-Uploads und eine kontinuierliche Titration am besten zu realisieren ist, erfolgt der Daten-Upload bei Novo Pen 5 Plus über ein Glooko/Diasend – NFC-Pad. Novo Nordisk war bisher bei dem Thema Digitalisierung eher zurückhalten, macht aber nun durch seine Zusammenarbeit mit IBM (Watson) und einer ersten App zu Datenanalyse und Schulung mit Glooko deutliche Schritte in die digitale Richtung.

Sanofi hat für die Entwicklung eines SmartPens in die amerikanische Firma Common Sensing investiert und arbeitet mit der französischen Firma Biocorp zusammen. Das amerikanische Unternehmen hat ein Produkt mit dem Namen Gocap entwickelt – was eine Art intelligente Kappe für Insulinpens ist. Gocap verfügt über einen USB-Akku, der eine Woche hält und erstellt automatisch ein Insulin-Logbuch, das drahtlos an Leistungserbringer und Familienmitglieder weitergegeben werden kann. https://common-sensing.com

Lilly kooperiert mit dem ebenfalls amerikanischen Unternehmen Companion Medical, die bereits ein Produkt mit dem Namen InPen ankündigen: https://www.companionmedical.com. InPen ist ein SmartPen, mit dem sich Insulin-Dosierungen berechnen und die Injektionsdaten zurückverfolgen lassen. Er soll wartungs- und benutzerfreundlich sein und ein Jahr lang ohne Aufladen halten. Er ist in verschiedenen Farben erhältlich und kompatibel mit Lilly Humalog® Insulin. Über Bluetooth lässt sich der Pen mit einer Smartphone-App koppeln, die nachhält, wann und wie viele Einheiten Insulin mit der letzten Injektion abgegeben wurden.

Alle drei Firmen arbeiten auch an der Entwicklung von wiederverwendbaren Pens, die „connected“ sind. Weiterhin haben alle Unternehmen die Dosis-Titration in ihre Apps aufgenommen (Sanofi’s My Dose Coach sowie die Partnerschaft mit Voluntis und bei Lilly’s Go Dose).

Aber es gibt noch weitere Firmen, die an SmartPen-Lösungen arbeiten: InsulCheck aus Dublin hat gerade eine Studie in Großbritannien gestartet und bietet einen Clip für alle FertigPens der drei großen Insulinhersteller an. Aktuell kann der Clip nur den Zeitpunkt der Injektion per Bluetooth kommunizieren, aber die nächste Generation soll auch die Dosis bestimmen können. BioCorp aus Frankreich hat für ebenfalls einen Clip für FertigPens entwickelt, der Zeitpunkt und Dosis bestimmen kann und diese an ein Smartphone per BT kommunizieren kann. Gleiches gilt für InsuLog aus Israel, die auch einen Clip entwickeln wollen und momentan per crowd-funding Kapitalgeber suchen, um den Clip serienreif zu entwickeln.

Weitere Anbieter aus dem asiatischen Raum, wie DNurse oder Diabnext haben bereits „connected Clips“ in diesen Märkten verfügbar. In Deutschland hat die Firma Emperra einen zugelassenen Smart-Pen auf dem Markt, der mit Bluetooth die Daten an Empfangsgeräte übermittelt. Die Firmen Becton Dickinson und Ypsomed sind an dem Thema Smart Pens ebenfalls interessiert.

Unser Fazit: Aktuell gibt es noch viele offene Fragen: Wann kommen die Produkte? Welche Partnerschaften etablieren sich zwischen pharmazeutischer und technologischer Welt? Wie werden diese Produkte über die Zeit hinweg gepflegt, in einer sich ständig verändernden App-Welt? Eine weitere wichtige Frage wird sein, was die Patienten bevorzugen: Einmal-Pens mit Konnektivität über z.B. Kappen, Clips oder wiederverwendbare Pens mit fest eingebauter Konnektivität. Entscheidend wird auch sein, wer in Anbetracht der damit verbundenen Kosten ein gutes Geschäftsmodell aufbauen kann.

Die Bedeutung dieser Entwicklung ist durchaus als erheblich anzusehen, werden diese innovativen Produkte hoffentlich Patienten bei einer nachhaltigen Verbesserung ihrer Glukosekontrolle verhelfen. Es wird interessant zu beobachten sein, wie diese drei großen Insulin-Firmen das Technologie-Feld betreten. Als pharmazeutische Unternehmen kennen sie den Pharmamarkt, die Tech-Welt aber ist eine ganz andere Welt.

DiaTec weekly – Nov 9, 19

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