Letzte Woche nahmen an dem 13. ATTD fast 3.800 Teilnehmern aus mehr als 81 Ländern (aber nur ca. 150 aus Deutschland) teil, d.h. der ATTD wächst weiterhin gut und stellt damit praktisch die größte Konferenz zum Thema Technologie und Digitalisierung bei Diabetes dar. Das liegt nicht zuletzt an der starken Dynamik in diesem Bereich mit einem hohen Interesse für die Industrie, die entsprechend stark vertreten ist, mit allen Vor- und Nachteilen (so hatte alleine Medtronic 5 Industriesymposien bei dieser Konferenz). Neben CGM und AID (automatisierte Insulindosierung) und intelligenten Pens wurden auch neue Therapien und Erkenntnisse in der Verhaltensmedizin vorgestellt.

Hier sind einige der Highlights aus Madrid:

  • Der US-Diabetologe Dr. Richard Bergenstal vom International Diabetes Center gab Tipps zur Interpretation von CGM-Daten und führte dabei ein neues Akronym ein: FNIR für Flat, Narrow, In-Range. Dies soll den „idealen“ Blutzucker zu beschreiben: Viel Zeit im Zielbereich und flacher Glukosespiegel mit wenigen Höhen und Tiefen. In der deutschen Sprache könnte man daraus einen Gin FIZ machen: Glukose in der Norm, flach und im Zielbereich!

 

  • Dexcom zeigte Daten von G6-CGM-Nutzern, aus denen hervorgeht, dass Personen, die sich viel mit den G6-Funktionen wie z. B. Hypo- oder Hyper-Warnungen oder der Share-Follow-Plattform beschäftigten, erzielen signifikante Verbesserungen in ihrem Blutzuckermanagement: Sie hatten die höchste Zeitdauer im Zielbereich und 38% weniger Hypoglykämien.

 

  • Dexcom kündigte die europäische CE-Zulassung für G6-CGM zur Verwendung während der Schwangerschaft bei Frauen mit Typ-1-Diabetes, Typ-2-Diabetes oder Gestationsdiabetes an. Damit stellt dieses rtCGM-System eine Alternative zum FreeStyle Libre von Abbott dar, welches bereits ein zugelassenes CGM-System für schwangere Frauen in Europa ist. Überzeugende Daten über die Verwendung von CGM in der Schwangerschaft zeigten, dass diese Frauen kaum diabetische Ketoazidosen (DKA) oder schwere Hypoglykämien aufwiesen. Auch das Geburtsgewicht von Babies aus Schwangerschaften mit Gestationsdiabetes lag deutlich unter demjenigen von Frauen, die kein CGM verwendeten.

 

  • Eine Beobachtungsstudie zu Loop, einem der drei Do-it-yourself-AID-System (DIY), ergab, dass Loop das Diabetes-Management signifikant verbessert. Neue Nutzer, d.h. Personen, die dieses System noch nie zuvor verwendet hatten, zeigten:
    • eine HbA1c-Reduzierung von 6,8% auf 6,5% nach drei Monaten und auf 6,4% nach sechs Monaten,
    • einen Time-in-Range, der von 68% auf 73% stieg, was mehr als eine Stunde pro Tag im Zielbereich entspricht,
    • Verbesserungen in der Schlafqualität und Verringerung der Angst vor Hypoglykämien.

 

  • Die WISDM-Studie untersuchte die Auswirkungen der Verwendung eines CGM-Systems bei Menschen mit Typ-1-Diabetes mit einem Alter von >60 Jahren. Die Teilnehmer verwendeten entweder ein Dexcom G5 rtCGM-System oder ein Standard-Blutzuckermessgerät (BGM). Nach sechs Monaten wiesen die Patienten in der CGM-Gruppe im Vergleich zur BGM-Gruppe weniger Zeit im Hypoglykämie-Bereich (Glukosewerte <70 mg/dl) auf und zwei Stunden mehr pro Tag im Zielbereich (70-180 mg/dl). Dies führte bei diesen Patienten zu einer HbA1c-Reduktion um 0,3% im Vergleich zu keinen Änderungen in der BGM-Gruppe. Patienten, die ein rtCGM-System verwendeten, wiesen weniger schwere Hypoglykämien auf (definiert als Unterstützung durch eine andere Person). Diese Vorteile waren unabhängig davon, ob die Nutzer Insulinpumpen oder mehrere tägliche Insulininjektionen (MDI) verwendeten.

Während der folgenden sechs Monate wechselten die Patienten von der BMG-Gruppe zu der CGM-Nutzung und wiesen dann ebenfalls mehr Zeit im Zielbereich und weniger Zeit im Hypobereich auf.
Diese Studie zeigt, dass die CGM-Nutzung für ältere Erwachsene genauso wichtig und effektiv ist wie für jüngere Erwachsene. In der Tat gaben 95% der Teilnehmer an, dieses System weiter verwenden zu wollen.

  • Ramzi Ajjan von der University of Leeds präsentierte Daten, die zeigten, dass mehr FreeStyle Libre-Scans pro Tag sowohl Hyper- als auch Hypoglykämien verringerten. Häufigeres Scannen ermöglicht es, schneller geeignete Therapieanpassungen vorzunehmen.

 

  • Medtronic präsentierte Daten von 7.847 Diabetes-Patienten aus ganz Europa, die die Auto-Modus-Funktion des MiniMed 670G AID-Systems von Medtronic verwendet haben und konnte zeigen, dass die TiR im Mittel von 62% auf 71% anstieg – das sind 2,3 Stunden im Zielbereich pro Tag, bei gleichzeitiger Reduktion von Werten im Hypo- und Hyperglykämischen Bereich.

DiaTec weekly – Feb 28, 20

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