In den USA gibt es bereits Hunderttausende von 670G-Nutzern und natürlich auch einige Publikationen zu deren Erfahrungen unter Alltagsbedingungen. Beim diesjährigen ATTD gab der US-Diabetologe Richard Bergenstal einen guten Überblick dazu, die er in seinem Vortrag zusammengefasst hat. Als Herausforderung der 670G sieht der Redner die Leistungsfähigkeit des aktuell zur Verfügung stehenden CGM-Systems und erwähnt, dass es von anderen Herstellern CGM-Systeme gibt, die eine bessere analytische Qualität aufweisen und keine oder weniger Kalibrationen benötigen.

Hier die wichtigsten Details:

  • In einer hochrangig publizierten Studie haben immerhin 26 von 79 Patienten nach 12 Monaten den AutoMode dieses Hybrid-AID-Systems nicht mehr verwendet.
  • Die Nutzer der 670G erreichen eine gute TiR (Time-in-Range) von im Mittel >70%, trotzdem gibt es deutlichen Optimierungsspielraum. Nutzer von DIA AID-Systemen erreichen vielfach >80% und mehr. In einer anderen jüngst hochrangig publizierten Studie mit einem Hybrid-AID-System von Tandem wird allerdings im Mittel auch nur eine TiR >70% erreicht.
  • Eine Studie mit Kindern zeigte, dass diese nach sechs Monaten noch fast sechs konventionelle Blutzuckermessungen pro Tag durchführten, davon 2 – 3 notwendige Kalibrationen. Wie zu erwarten führte diese Anforderungen sowie die häufigen Alarme und der mit der Nutzung der 670G verbundene Zeitbedarf dann vielfach zum Abbruch der AID-Therapie.
  • Eine eher kleine US-Studie zur Nutzung der 670G mit 25 Teilnehmern wurde beim ATTD vorgestellt: Dort nahmen 13 Patienten zu Beginn an einer Schulung teil, während die anderen 12 nur eine eingeschränkte Schulung erhielten. Am Studienende nutzten noch 100% der geschulten Patienten dieses AID-System, aber nur 33% der ungeschulten Patienten.

 

Der Redner ging auch die Rückrufaktion zur 670G ein, der aktuell von der amerikanischen Gesundheitsbehörde veranlasst wurde. Das Fehlen oder Brechen eines Plastikrings an dem Insulinreservoir der Insulinpumpe hat offenbar in den USA zu Problemen geführt, in Deutschland scheint dies kein Problem zu sein. Andere Hersteller von Insulinpumpen haben auch ihre Probleme, so hatte Tandem einen Softwarefehler, der durch ein Update behoben werden musste.

 Unser Fazit: Es gab einen wichtigen Punkt, den Bergenstal deutlich kritisierte: Die Hersteller der verschiedenen AID-Systeme verwenden für die gleichen Themen unterschiedliche Begriffe. So wird die Dauer der Insulinwirkung bei der 670G mit „Active Insulin Time“ bezeichnet, bei der Insulet Omnipod Horizon heißt das „Insulin Action“ und bei der Tandem Diabetes Care „Insulin Duration“.

Wir schließen uns dieser Kritik an und regen die Einführung einer einheitlichen Terminologie an, auch aus Sicherheitsgründen, um Verwechselungen und Missverständnisse zu vermeiden!

DiaTec weekly – Feb 28, 20

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