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Wann die Diabetes-Hilfsmittel auch für ältere Menschen passen

Es ist beeindruckend, welche Möglichkeiten die Diabetes-Technologie heute bietet. Sehr wünschenswert wäre es, wenn sie möglichst vielen Menschen zur Verfügung steht. Im Digitalisierungs-Arbeitskreis der AG Geriatrie und Pflege der DDG haben wir die älteren und unterstützungsbedürftigen Menschen im Blick. Unser ‚Leitwerk‘ ist die S2k-Leitlinie ‚Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle des Diabetes mellitus im Alter‘. Die wendet ihre Systematisierung auch auf die Nutzung von (technologiebasierten) Hilfsmitteln an. Die Leitlinie unterscheidet dabei in ‚mechanische‘, ‚technische‘ und ‚elektronische‘ Hilfsmittel.

Kurz nach Erscheinen der Leitlinie wollten wir es wissen: warum hat keineswegs jeder der fleißigen Helfer der Sozialwirtschaft oder auch der Angehörigen pflegebedürftiger Menschen das Leuchten in den Augen, wenn von CGM-Systemen, sprechenden und scheinbar selbst denkenden Geräten des Diabetes-Managements die Rede ist. So haben wir die Leitungen von zwölf Pflegediensten gebeten, einmal einzuschätzen, was denn für die Anwendbarkeit in der täglichen Versorgungssituation wichtig ist. Dies sind die wichtigsten der durchgängig getroffenen Aussagen:

Bei allen Geräten mit Display sei wichtig, dass die angezeigten Werte nicht nur groß und deutlich zu sehen sind, sondern auch lange genug. Bei den ‚sprechenden‘ Blutglukose-Messgeräte wäre wünschenswert, wenn sich der Information zum Messwert auch direkt eine Handlungsempfehlung anschließen würde. Dass Insulin-Pens einfach auszulösen sind und es dabei nur geringen Daumendrucks bedarf – das passt; vielfach scheitert die selbständige Nutzung aber daran, dass die Nutzer die Teststreifen aufgrund motorischer Einschränkungen nicht aus der Packung bekommen. Ähnlich verhält es sich mit den sehr sinnvollen Medikamentendosetten mit Wochenvorrat – es muss aber einen Beteiligten im Betreuungsprozess geben, der über die erforderliche Feinmotorik beim Öffnen der Behältnisse verfügt.

Die automatischen Blutdruckmessgeräte, präferenziell mit Oberarmmanschette und elektrischer Pumpe, werden Normalität. Studien zeigen auch auf, an welchen Körperstellen idealerweise gemessen werden sollte – dies sind aber meist nicht die Körperstellen, an denen die älteren Menschen gut selbst ‚anlegen‘ können. Schon wieder ist Unterstützung gefragt, die organisiert sein muss.

Auch ältere Menschen können von den PC-Programmen und Apps zur Datenanalyse, zur Verbesserung der Therapietreue, zum Datenmanagement und zur Blutglukose-Steuerung sowie zur Erinnerung an Medikamenteneinnahme oder Insulin-Injektionen sehr gut profitieren. Sie müssen nur alltagsgerecht in das soziale Umfeld der Menschen integriert werden. In diesem Sinne ist darauf zu achten, die Eingabe-/Endgeräte kontinuierlich im Verfügungsbereich der Betroffenen zu halten, auch sie mit Sprechfunktion oder sehr gut sichtbarem Display auszustatten und idealerweise mit alltagstypisch gewohnten Gegenständen wie Uhren, Telefon, Hausnotruf- oder anderem ‚smarten‘ System der Steuerung im Wohnumfeld zu verbinden.

Und was uns wirklich alle Befragten mitgegeben haben (als wenn es noch weiterer ‚Erdung‘ bedurft hätte): Kein Hilfsmittel nützt, wenn die Menschen nicht wissen, wo sie sie zuletzt liegen lassen haben. Es braucht auch Systeme, die den Menschen dabei helfen, die verschiedenen Hilfsmittel gut zugriffsbereit aufzubewahren und im Bedarfsfall verfügbar zu bekommen. Das durchdachte Ganze ist es, worauf es ankommt.

Michael Uhlig,
Leiter des Arbeitskreises Telemedizin und Telematik der AG Geriatrie und Pflege der DDG

DiaTec weekly – Mrz 27, 20